Education Espazium

Beiträge

CAS Holzhausbau - Im Gespräch mit Thomas Gurtner

Thomas Gurtner ist Initiant und Studiengangsleiter des neuen CAS Holzhausbau an der Berner Fachhochschule BFH. Er erklärt, wo die Vorteile des Bauens und Konstruierens mit Holz liegen und warum es gut ausgebildete Fachleute braucht.

Was sind die Vorteile des Holzhausbaus gegenüber anderen Baustoffen und Bauweisen?

Thomas Gurtner (TG): Es gibt viele Vorteile: Holz kann CO2 binden und über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte speichern. Zudem ist Holz der einzige einheimische und nachwachsende Rohstoff, der in unserem Land auch baugeschichtlich eine grosse Tradition hat.

Ein weiterer grosser Vorteil von Holz ist sein geringes Gewicht bei gleichzeitig hoher Leistungsfähigkeit als Baustoff, wodurch seine Einsatzmöglichkeiten insbesondere beim Bauen im Bestand (Aufstockungen) nahezu unbegrenzt sind. Fortschrittliche Technologien und innovative Konstruktionssysteme ermöglichen es, nahezu jeden architektonischen Haustyp - auch öffentliche und mehrgeschossige Bauten - in Holz zu realisieren.

Hinzu kommen verkürzte Bauzeiten, die durch Trockenbauweise und Vorfertigung einen zügigen Baufortschritt ermöglichen, wodurch lange Beeinträchtigungen des (Wohn-)Umfeldes vermieden werden können. Die vorgefertigten Bauelemente wie Wand-, Decken- oder Dachelemente bis hin zu ganzen Raumzellen werden auf der Baustelle passgenau und zeitsparend montiert. Das beschleunigt den Bauprozess, sichert eine hohe Qualität und führt zu Kosteneffizienz für alle Beteiligten.

Wo liegen die Chancen und Herausforderungen des Holzbaus in der Schweiz?

Die Chancen liegen vor allem in seinem Marktanteil: Der Anteil der Hochbauten in der Schweiz mit Holz in der Tragkonstruktion beträgt derzeit nur rund 16%, was noch als verschwindend klein bezeichnet werden kann. Nach dem Vorbild Österreichs könnte dieser Anteil deutlich gesteigert werden. Holz eignet sich aufgrund seines geringen Gewichts und der Vorfertigung besonders für verdichtetes Bauen im urbanen Raum. Auch im mehrgeschossigen Bauen hat sich Holz als Baustoff etabliert, wie zahlreiche realisierte und in Planung befindliche Projekte zeigen.

Dennoch mangelt es nicht an Herausforderungen: Holz ist trotz seiner viel gelobten Eigenschaft, unsere Umwelt nachhaltig positiv zu beeinflussen, eine begrenzte Ressource. Dieser Tatsache muss bei der Konzeption und Planung zukünftiger Holzbauten unbedingt Rechnung getragen werden. Planerinnen und Planer sind aufgefordert, Holzbauten "intelligent" zu planen, d.h. so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Es geht nicht darum, möglichst viele Kubikmeter Holz in ein Projekt zu integrieren, sondern möglichst viele Projekte mit Holz in der Tragkonstruktion zu realisieren. Die Planung und Realisierung von Holzbauten mit hohem Vorfertigungsgrad erfordert zudem eine vorausschauende und interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten, die sogenannte Integrierte Projektplanung IPD (integrated project delivery), um die vielfältigen Aspekte aller Beteiligten zum richtigen Zeitpunkt im Projekt harmonisch zusammenzuführen.

Welche Kompetenzen erwerben die Teilnehmenden im CAS Holzhaubau?

Sie erweitern ihr solides Grundwissen im Bereich des Holzes und erwerben die Kompetenz, ein- und mehrgeschossige Holzbauten aller Art vom architektonischen Entwurf über die Konzeption des Tragwerks bis hin zum Detail professionell zu planen. Sie lernen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Baustoffs Holz in Konstruktion und Gebäudehülle kennen und wissen, welche Besonderheiten beim Entwerfen und Konstruieren mit Holz zu beachten sind. Für Absolvent*innen des CAS Bauen mit Holz ist der Kurs eine Weiterführung als konsekutiver Kurs. 

Der neue, berufsbegleitende CAS Holzhausbau der Berner Fachhochschule BFH richtet sich primär an Architekt*innen und weitere Holzbauplanende und schliesst nahtlos an den CAS Bauen mit Holz an. Was unterscheidet die beiden Weiterbildungen?

Im CAS Bauen mit Holz, unserem «Einsteigerkurs» im Rahmen des MAS Holzbau, lernen die Teilnehmenden den Bau- und Werkstoff Holz in seiner Kreislaufbetrachtung kennen. Der Kurs behandelt umfassend alle für Holzbauplanende relevanten Themen, deren Kenntnis und Verständnis Voraussetzung für eine materialgerechte und professionelle Planung mit dem Bau- und Werkstoff Holz ist. 

Im CAS Holzhausbau hingegen liegt der Schwerpunkt auf den Themen Konzeption, Konstruktion bis hin zur Detailplanung. Dabei ist es wichtig, diese Überlegungen immer in den Kontext der Architektur zu stellen. Die Teilnehmenden vertiefen ihre Grundkenntnisse zu den Holzbausystemen, den Bauteilen Wand, Decke, Dach, der Fenstertechnik, den Sperrzonen für die haustechnischen Anlagen, Nasszellen sowie der Fügung, Konstruktion und Anschlüsse von Fassaden, Wänden und Decken. Anhand konkreter Aufgaben zu realen Projekten und Anwendungsbeispielen von ein- und mehrgeschossigen Holzbauten aller Art erwerben Sie die Kompetenz, vom architektonischen Entwurf über die Konzeption des Tragwerks bis hin zum Detail richtig und professionell zu planen.

Wie sieht die Zukunft des Holzhauses in der Schweiz aus?

Vielversprechend. Die Verschärfung des Raumplanungsgesetzes führt zu einer stetigen Verdichtung der städtischen Gebiete. Diese Projekte umfassen Aufstockungen, Anbauten, energetische Sanierungen, aber auch Neu- oder Ersatzbauten in der Kategorie der Gebäude mittlerer Höhe oder gar Hochhäuser, wie beispielsweise das in Planung befindliche Projekt "Rocket" in Winterthur.

Insgesamt dürfte die Zukunft des Holzhauses in der Schweiz von einer Kombination aus ökologischem Bewusstsein, technologischem Fortschritt, politischer Unterstützung und architektonischer Kreativität geprägt sein.

Weiter Informationen